Sammelsurium aus dem Fichtelgebirge
Gschichtla, Bildla und anners Zeich

Vom Kammerwagenfahren

Vom Kammerwagen fahren weiß heute niemand mehr. Und doch war es bei unseren Vorfahren eine wichtige Angelegenheit und auch für die beiden Elternpaare eine große Ausgabe und, war ein Vater mit mehreren Töchtern gesegnet, eine sehr große Belastung.

"Der oder die mecht a guta Partie", so redeten die Leute, wenn der Verspruch oder, wie man auch sagte die Heieret, eines Paares bekannt wurde. Dann wurden die Vorzüge der beiden und ja auch die Nachteile durchgehechelt und alles aufgezählt, was man wußte über die beiden Familien. Und "die ham gsagt" wiederholte sich so und so oft. Ja, da ging es dann um die Aussteuer, den "Kammerwogn und was se sonst nu alles kriegt". "Niemals wird soviel glogn wie vor einer Hochzig und nach einer Jagd!", meinten die Leute und das galt auch schon in früherer Zeit.

Im vorigen Jahrhundert sah die Ladung, also die Mitgift oder das Heiratsgut, eines Kammerwagens noch ganz anders aus und änderte sich, bis das Fahren in den zwanziger und dreißiger Jahren unserer Zeit ganz abkam. Damals gehörte immer dazu ein buntbemalter Schrank, dazu passend die Truhe mit ihrem "Beileedl" (kleines Fach an der rechten inneren Schmalseite mit Deckel) und darinnen Gesangbuch und die Schloßkettn und andere Wertgegenstände und Erinnerungsstückla, und die Leibwäsche der Braut füllten die ganze Truhe aus. Im Koffer (Truhe mit gewölbtem Deckel) aber lag die Bett- und Tischwäsche. Die Bettstatt mit hohen, dicken Federkissen, ein Kannelhölzl (Tellerbord) und das dazugehörige irdene Geschirr, die vielen Kleingeräte von der Gänspfanna bis zum "Guglopfentiegel" durften nicht fehlen, genau so wie die Geräte zur Flachsbereitung und das Butterfäßl mit seinem Stampfer. Meist thronte ganz oben eine Wiege, aber nicht immer war dies der Fall.

Truhe von 1801

Bild | C. J. Schäfers

Auch damals fertigte die Möbel meist der Schreiner und bemalte sie auch gleich. Jahreszahl der Heirat und die Initialen der Braut waren nie vergessen. Die bunte Bemalung verschwand in späteren Jahrzehnten und ein hell- bis dunkelbrauner Anstrich der Gegenstände war "Mode". Auch die Truhe wurde abgelöst von der Kommod, oft mit aufgesetztem Schreibpult und Glasschrank darüber und bei einer besonders reichen Aussteuer prangte als Glanzstück und Mittelpunkt ein Kanapee auf dem Kammerwagen.

Langsam zogen die Pferde nach der kurzen Rast beim Kilometerstein an der Straße von Marktleuthen nach Kirchenlamitz wieder an. Der Daniel nahm die Zügel in die Hand und schnalzte leise mit der rotbebänderten Peitsche. Seine Joppe hatte er ausgezogen. Sie lag auf dem über die beiden vorderen Enden der Leiterbäume gelegten Brett, das ihm bis jetzt als Kutschsitz gedient hatte. Warm war ihm geworden an diesem hellen, lichten Maimorgen. Jetzt mußte er auch absitzen, es ging bergan und die Straßbäum gaben noch keinen richtigen Schatten mit ihrem jungen, duftenden Laub. Ein zarter Dunst hüllte die Berge ein und es würde ein recht schöner Tag werden, so richtig passend zu der Fahrt mit den "Kammerwogn" für die künftige Schwägerin, die nach Kirchenlamitz heiratet.

"Dein Kammerwogn fahr ich", hatte er ihr schon lange versprochen. Mit dem Gspann seines Vaters, den beiden Bräunl, sie waren brave Pfeer, konnte er gut umgehn und ab und zu sah man ihn auch mit einem der Pferde durch die Flur reiten. Gestern nun ließ man ihm sagen, daß der Schreiners Hans am Tempel die Möbel fertig hätte und er solle morgen um neun Uhr mit seinem Gspann dort sein.

Also schoben und lenkten der Vater und seine Leut den großen Leiterwagen, der sonst für die Heu-, Grummet- und Getreideernte gebraucht wurde, noch am Abend zur Schreinerwerkstatt "am Tempel". Daheim sagte er zu seiner Tochter: "Der Leiterwogn steht scha parat. Dei Wäsch und woust halt sonst nu houst mußt a herrichtn".

Die Ida nickte und eifrig boten sich die Schwestern zur Mithilfe an. So saßen sie noch lange über der Wäsch und zupften da eine Schleife zurecht und glätteten und strichen mit der Hand Falten und zählten nochmal die Bettbezüge durch und legten die Hohlsaumkissen und die Hartangerdeckchen und die buntbestickte große Tischdecke ganz oben auf den Wäschkorb, daß jeder sehen konnte wie geschickt und akkurat alles gefertigt war. "Dei Nähkörl derfst a niet vergessn", erinnerte die Jetta noch. Dann war es ruhig im Haus und der große, leere Leiterwagen stand mondbeschienen am Tempel.

Zeitig in der Früh kommandierte der Meister seine Leut und fachgerecht wurden zuerst die Bettstatt mitsamt den vom Sattler gelieferten Matratzen und der zusammengelegte große Schrank mit einer sorgfältig in einem Lattenrost und Tüchern verpackten Spiegeltür aufgeladen. Dann standen die Nachtkästla drauf und auch die Kommod. Ein großes Brett über die hintern Leiterbäume genagelt, dort fand der weißlackierte Küchenschrank Platz und wurde festgenagelt. Es folgten die Anricht und der Aufwaschtisch, der Küchentisch mit der Platte nach unten kam in der Mitte des Wagens zu liegen. Auch die Stühl, vier an der Zahl, ineinander gestellt, daneben. "So", sagte dann der Meister, "unner Zeig is unterbracht. Jetzet mu halt nu die anner War drauf". Vom Haus der Braut im "Heefakleesvieale" lud man nun die Federbetten und die Wäsch und auch mancherlei Küchengeräte, wie Pfannen und Tiegel, Schüsseln und Kannen und noch vieles mehr dazu. Freilich, ein Spinnrad und andere Geräte zur Flachsbearbeitung brauchte man in den zwanziger Jahren nimmer. Dafür lud man als letztes Stück eine nagelneue Nähmaschine auf. Staunend und bewundernd standen die Nachbarn dabei und die allgemeine Meinung war: "Der Karl, der mecht a gute Partie". "Ja, ja", sagte der Stoffel noch, "wer nix daheiert und nix dererbt, der bleibt a armer Teufl bis er sterbt". Da lachten alle und sahen den Kammerwogn, der um die Ecke beim Wogner bog, nach.

Die Ida aber war schon übern Steg vorausgegangen und eilte schnellen Schritts weiter. Rechtzeitig mußte sie in Kirchenlamitz sein, um ihren "Kammerwogn" anzukündigen. Aber nun nahm der Daniel die Zügel fester in die Hände und mit leichtem Peitschenknall und einem aufmunternden Zuruf ging es die Anhöhe vor dem Wald hinan.

Da ratterte und knatterte es und zwischendurch heulte es wild auf und der Ton eines Hifthorns trompetete auch mit hinein. Die Bräunl spitzten die Ohren, da rollte auch schon ein glänzendes, funkelndes Ungetüm aus dem Wald die Straße bergab, direkt auf die Pferde zu, und das blendete sie, und das Geheul dazu. Da stiegen sie kerzengerade in die Höhe und wieherten laut und da rissen alle Stränge und die Deichsel brach aus ihrer Halterung. Außer Rand und Band sprangen sie davon, immer wieder laut wiehernd. Durch den Straßengraben und dann querfeldein galoppierten sie und die Sträng schleiften nach und die Deichsel schlug um manchen Stein und es war wie die wilde Jagd. Der Daniel schaute entgeistert und wandte sich zum Wagen, dieser rollte immer schneller werdend den abschüssigen Weg hinab. Da sprang er schnell hinzu, zog den Hemmschuh aus der Halterung, und gerade noch rechtzeitig schob er ihn unter das Rad. Da stand der Wagen und nur der Küchenschrank schwankte sachte. Als er sich aufrichtete, fuhr das schimmernde Automobil, immer noch hupend, an ihm vorbei. Der Lenker des Wagens, mit wehendem Schal, rief ihm lachend und lautstark zu: "Mir reißn keine Pfeer aus! Gell dou schaust", winkte und fuhr mit Getöse flott weiter.

Nun der Daniel lachte nicht! Noch mal sicherte er den Wagen, und nichts war ihm und seiner Ladung passiert. Aber die Pfeer! Wo warn sie denn? Am Waldrand hatten sich die Sträng im dichten Unterholz verfangen, und da rissen und zerrten sie, jedes in eine andere Richtung, und verheddelten sich immer ärger. Mit langen Sätzen rannte der Daniel übers Feld und rief beruhigend: "Ho, Ho! Bleibts stäh! Ich komm ja scha"! Die vertraute Stimme ließ sie aufhorchen, als er bei ihnen war und er ihnen die zitternden Flanken klopfte, da schnaubten sie beruhigt. Da löste er die Sträng aus dem Geäst und die zerbrochene Deichsel aus der Kette, nahm sie untern Arm, er faßte die Halfter und es ging auf den Rain zurück zur Straße und zum Wagen.

Die zerbrochene Deichsel schob er zwischen die Leiterbäume und band die kaputten Sträng so gut es ging an die beidseitigen. Den Wognschenkelan und auch den Wognbalken fehlte nichts. Dann steckte er den Bremsklotz zurück in die Schlaufe, schlang die Zügel um die Kummete und zwischen seinen Pferden laufend, jedes am Halfter haltend, ging die Fahrt weiter.

Vor dem Haus ihres Zukünftigen schaute die Ida, sie war längst dort angekommen, ungeduldig nach der nahen Kirchturmuhr, und zu ihrem Karl gewandt, der unter der Haustür stand, sagte sie besorgt: "Der mießet scha längst dou sei! Meinst, ich solln nen entgegn gäh? Es wird doch nix passiert sei!", hinzusetzend. "Nu lauf halt a mal a weng in Markt nauf! Vielleicht siehst nen komma!", sagte der Karl und trat zurück ins Haus. Bis zu den Friedenseichen kam sie und da erst sah sie das Gespann und wunderte sich, den Daniel zwischen seinen Pferden im leichten Trab laufen zu sehen. Noch ein Stück lief sie ihm entgegen und als die Straße ebener wurde rief er ihr zu: "Ich ka niet haltn, weil ich ja niet bremsen ka! Kehr ner wieder um! Jetzt komm ma glei"!

Die Leut, die unterwegs warn, schauten und sagten zueinander: "Der fährt aber sein Kammerwogn ganz extra daher". Da bog er ums Eck und "Brr, Brr, Brr", hielten die Pfeer und auch der Daniel an und der Ida ihr Kammerwogn stand vor der Tür. Eben begann das Elfaläutn und alles war richtig und passend. Der Daniel schirrte die Pferde aus, tränkte sie und band ihnen den Futtersack um.

Der Karl und der Gorch, der war Schreinermeister, hatten schon manches Stück abgeladen und ins Haus getragen. Die Schulkinder kamen mit klappernden Ranzen die Stäffela runter und blieben stehen und schauten neugierig und schubsten einander und lärmten. Und auch hier bogen sich die Nachbarn aus den Fenstern oder traten vors Haus. Und wieder erregte die Nähmaschine Aufsehen und manch einer flüsterte den andern zu: "Houst se gseah, die neumodische Maschine wou se a mitbrengt"! Als dann der Küchenschrank an der Reihe war, packte auch der Daniel mit an und dann war alles abgeladen. "Gähts rei ins Essen", rief die Mutter und als alles um den Tisch saß, da erst erzählte der Daniel sein Malheur! Freilich, jetzt konnte er lachen, weil alles gut nausgegangen war. Später dann wurden die Lattenroste und die Tücher und die Planen auf den Wagen gelegt, sie gehörten dem Schreiners Hans. Die Pfeer, ein Lehrbub hatte bis jetzt auf sie aufgepaßt, wieder mit den Strängen eingespannt, und der Daniel zog die Joppe an, steckte die Peitsche in den Stiefelschaft und schwang sich auf die Mali, das Sattelpfeer. Hoch zu Roß, den ratternden, leeren Leiterwagen hinter sich, trabte er davon. Und wieder wunderten sich die Leit und mancher schüttelte den Kopf ob des seltsamen Gefährts.

Auch heute noch spricht man vom Kammerwagen und meint damit genau wie früher die Mitgift oder Ausstattung der jungen Frau. Nur fahren heute die Möbelautos vor und dann wird entladen, was man sich vorher gemeinsam im großen Möbelhaus aus einer vielfältigen Auswahl ausgesucht hatte und was dem neuesten Trend entspricht. Aber genau wie früher wird es begutachtet und bewundert von der Familie und Bekannten und Freunden. "Nu des wird ganz schee teier gwesn sei", heißt es auch heute noch und einer setzt hinzu: "Ja, ja. Ein guts Frühstück hält den ganzen Tag an, eine gute Ernte ein ganzes Jahr und ja, eine gute Heirat ein ganzes Leben"!

Aus "Erzähltes und Erlebtes" von Fanni Schricker (†)

Hulz machn - Streu hackn

Wald gehört auch heute noch zu fast jedem Bauernhof hier im Fichtelgebirge. Um die Ortschaften wurde der Wald gerodet, Äcker, Wiesen und Weiden zogen sich hinter jedem Hof hin (Hofzelch) bis zum Wald. Der Grundbesitz eines ganzen Hofes umfasste etwa 50 bis 75 Tagwerk (ein Tagwerk ist etwa 1/3 Hektar und stellt die Fläche dar, die mit einem Pferde- oder Ochsengespann an einem Tag geackert werden konnte). Von dieser Gesamtfläche eines Hofes ist meist 1/3 Wald, auch Holzung genannt. Der Wald wurde und wird betreut und genutzt und ist Rückhalt jedes Hofes.

Heute sind unsere Wälder meist nur reine Fichtenbestände. In früheren Jahrhunderten standen Fichten, Tannen und Föhren im Wechsel mit Laubbäumen wie Buchen, Birken und auch vereinzelt Eichen. Aber es wuchsen auch Erlen, Linden und Ulmen in unseren Wäldern, denn Flurnamen deuten heute noch darauf hin (Lindenbühl, Ulmenhain, Erlwiese). Buchenbestände haben sich bis in die Jetztzeit erhalten (Buchenberg bei Reicholdsgrün).    

Waldgebiet bei Großschloppen

Bild | C. J. Schäfers

Die Waldarbeit war und ist an keine bestimmte Jahreszeit gebunden. Im Spätherbst, wenn zammgackert war, das heißt alle Felder mussten gepflügt, auch der Mist ausgebracht, gebreitet und eingeackert sein, und wenn die Witterung es erlaubte, dann hieß es "heit gängma in Wold". Auch heute ist das noch so.

Die Geräte wurden hergerichtet. Die große Zugsäge und auch die kleine Handsäge, Holzhacken groß und klein gut geschärft, die Keile, der Wendhaken und auch ein Seil durften nicht vergessen werden. Heutzutage wird die Motorsäge aufgetankt und dienstbereit gemacht.

"Am Ecknberg stehn a paar Dürre", besprach man sich, "daou gängma zerst hie." Zwanner (zu zweit) musste man immer sein, denn die Säge konnte man ja schlecht alleine hin- und herziehen. Dann hörte man das Zischen der Säge. Bevor ein Baum stürzte, wurde "Obacht" gerufen. Die Warnung galt einem zufällig Vorbeikommenden, damit dieser sich in Sicherheit bringen konnte. Lag der Baum dann auf dem Boden, hackte man die Äste ab (Ausasten). Die Streuäst wurden zu Haufen geschichtet und später heimgefahren.

Eine ganze Zahl von Bäumen musste geschlagen werden, um den Bedarf an Brennholz zu decken. Holz war ja neben Torf das einzige Heizmaterial.

Stand aber ein Stadelbau oder gar ein Hausbau in Aussicht und es wurde Bauholz gebraucht, dann suchte man die geeignetsten Bäume aus oder ließ sie vom Förster anzeichnen, schlug und entastete die Stämme. Geschält blieben sie im Wald zum Trocknen liegen. Das Brennholz aber wurde zu handlichen Knüpfeln aufgesägt, oft auch zu Steren eingeschichtet und blieb so liegen. Erst wenn man genügend beisammen hatte und das Wetter mittat, fuhr man es mit dem Gespann (heute Traktor) und den Holz- oder Truhwagen heim auf den Holzplatz, der immer in der Nähe des Hauses und der Holzschupfen lag. Auch die Streuäst schaffte man dorthin. Das "Stöckgroum" war Schwerstarbeit. Aber die Baumstümpfe mit ihren dicken Wurzeln waren wertvolles Brennmaterial, das man sehr schätzte. 

Im Spätwinter wurden alle anderen Winterarbeiten, wie Bettstroh dreschen, Besen binden, Strohbänder drehen, Rechenzähn schnitzen, Rechenstiel hobeln, erledigt. Wenn auch der Flachs geriffelt und die Erdäpfelkörb aus den vorbereiteten Weiden geflochten waren und die Tage schon länger wurden, dann ging es übers Holzsägen und -hacken. Zum Holzsägen wurde der Holzbock hervorgeholt und die Knüpfel in 30 - 40 cm große Stücke gesägt. Sie türmten sich bald zu Haufen. Auf dem Hackstock hörte man dann das gleichmäßige Zuschlagen und das Poltern der Holzscheitla. Besonders glatte und leicht zu spaltende Stücke wurden für Schleißholz separat geschmissen (Schleißen: dünne Holzspäne zum Feuermachen). Einen runden Holzstoß aufzurichten war eine Kunst, und die Holzstöße gehörten zum Dorf wie die Misthaufen vor den Ställen. Etwa zwei Meter Durchmesser hatte so ein Stoß. Sonne und Wind trockneten das Holz und machten es dürr.

Zuerst wurden für so einen runden Stoß glatte Streuäste über Kreuz gelegt und dann die Scheitle gleichmäßig im Keis, ungefähr bis Kniehöhe. Dann wurden Scheitle ungeordnet in die Mitte geworfen bis zur gleichen Höhe. Jetzt legte man wieder Streuäst oder auch Latten oder schwache Bretter darüber, das gab dem Stoß Festigkeit. Der erste Arbeitsgang wiederholte sich bis zur Brusthöhe, allerdings wurde der Durchmesser nach oben immer enger. Zum Abschluss in etwa zwei Metern Höhe wurden nochmals Scheitle reingeworfen und dann gleichmäßig zu einer Kuppe gelegt: Fertig stand der Hulzstouß da, oder zwei oder drei und noch mehr. Im Dorf wetteiferte man um die Ehre der meisten, höchsten und am akkuratesten geschichteten, das heißt stabilsten, Holzstöße. 

Holzstapel

Bild | C. J. Schäfers

Mancher konnte oder wollte keinen runden Stoß schichten; da wurde dann die Haus- oder Stadelwand hergenommen. Vier Pfähle im Abstand eingeschlagen, am Boden ein paar Schwarten (alte Bretter) gelegt und das gehackte Holz als Mauer geschichtet. Auch hier musste Sorgfalt walten; denn wenn so ein Stapel einfiel, dann hieß es in der Nachbarschaft: "Halt, daou gibts Stopfer" (Kindstaufe).

So hergerichtet, konnte das Holz trocknen und dürr werden. Kam man in Verzug mit der Holzarbeit, orakelte man gleich: "Mach dein Holz, wenn der Kuckuck schreit, dann hast du im Winter dürres Scheit!"

Zwischen Haid und Schniett in der etwas ruhigeren Zeit und wenn der Stall geweißt (gekalkt) und alle Geräte sauber gemacht waren und das Holz dürr war, räumte man es in die Holzschupfn, wo es wieder aufgeschichtet oder einfach auf einen Haufen geschüttet wurde. Das Schleißholz musste auch hier griffbereit gelagert werden.

Das Streuhacken aber war Frauenarbeit. Alle fingerdicken Holzstücke hackte man aus dem Gezweig (20 bis 30 cm lang) und schichtete sie auf einem Stapelplatz. Den Abfall, das Streughäckl, lud man wieder auf den Wagen und fuhr es in den Wald zurück oder verwendete es zum Anschüren. In früherer Zeit, als die Ernteerträge viel geringer waren und man Stroh als Viehfutter brauchte, wurde es im Stall eingestreut und kam als Mist aufs Feld.

Die Streuäst aber waren das "Sommerholz". Der Ofen oder der Herd musste auch im Sommer dreimal angeschürt werden. In der Früh für die Morgensuppn und das Wasser im "Schiff" (Wasserwanne im Herd), das man heiß zum Saufutterbrühen brauchte und zum Aufwaschen (Abspülen) und zur Körperpflege. Außerdem stellte man das Fleisch mit Salz und Gewürzen und einem Strutz Wasser im Fleischtiegel in die Roihern (Röhre) und ließ das Fleisch vorgaren. Spätestens beim Elfuhrläuten schürte die Frau wieder ein. Die Erdäpfel oder die Kleeß und das dazugehörige Kraut mussten um zwölf Uhr auf dem Tisch stehen. Schnelle Hitze brauchte man und die Streuäst waren da recht. Am Abend wiederholte sich der morgendliche Arbeitsgang, nur dass statt des Fleisches ein "Hofen" Wasser hingestellt wurde.

Im Winter und auch schon im Spätherbst schürte man den ganzen Tag, das Feuer durfte also nicht ausgehen. Der Sparsamkeit wegen wurde meist nur eine Feuerstelle, der Herd in der Küchn, geheizt. Der Kachelofen in der "vordern Stubm" wurde nur an hohen Festtagen oder wenn ein Familienmitglied krank war oder die Frau ins Wochenbett kam, angeschürt.

Holz, Streuäst und auch der Torf mussten zur Feuerstelle geschafft werden. Diese Arbeit gehörte zu den Pflichten der Kinder. Jeden Tag musste der Holzschub (mit Rädchen versehene Blechlade unter der Röhre im Herd) gefüllt werden. Wehe, es wurde vergessen, dann konnte es schon einen "Schandaspoutt" geben.

Zwei Feuerstellen gab es im Haus, die eine unter dem kupfernen Kessel. In einer Mauernische der Vorküche, meist neben dem Schlot, war er eingemauert. Zur großen Wäsche wurde er angeschürt und dann natürlich glänzend geputzt zum Schlachten. Auch der Backofen für eine "Schür" (einmal heizen). Etwas kürzer als der Backofen tief war, mussten die Scheite sein. Spaltholz richtete man dafür her, recht dürr musste es sein, akkurat im Backofen geschlichtet, mit einem Reisigbüschl wurde es angezündet! Der Rauch zog durch die offene Schlottür ab. Sobald das Holz verbrannt war, zog man die Reste an Holzkohle und Asche mit der "Kruckn" heraus und kehrte mit dem Kehrwisch sauber. Auf dem "Einschießer" schob man einen Laib, gut gegangen, nach dem anderen in den heißen Ofen. Nach etwa zwei bis drei Stunden war es fertig, und dann räumte man das Brot aus. "Schnitz" (Gemüsesuppe mit Kartoffeln) gab es am Backtag zum Mittagessen und aus einem Rest Brotteig wurde Brotkuchn dazu gebacken. Kam zufällig ein Handwerksbursch vorbei, vielleicht lockte ihn auch der Duft des frischen Brotes, so wurde er zu einem Teller Schnitz und einem Rankern Brot eingeladen.

Aber nicht nur fast die einzige Wärme- und Energiequelle war das Holz, sondern wertvoller Werkstoff für vielerlei Geräte in Haus und Hof, meist von Handwerkern hergestellt. Aber auch mancher geschickte Hausvater und oft auch die Frau schnitzten und hobelten und glätteten einfache Gerätschaften, wie Kochlöffel und Quirl, den Krautstampfer, aber auch den Wäschblaier und das Mangholz, beides oft kunstvoll verziert.

Natürlich waren auch alle Möbelstücke, von der Bettstatt bis zur Wiege, aus Holz gefertigt, der Schrank, oft bunt bemalt, und die "Lodn" (Truhe oder Koffer mit gewölbtem Deckel) dazu. Nicht selten werden sie noch heute bewundert, häufig imitiert und für teures Geld verkauft.

 Aus "Erzähltes und Erlebtes" von Fanni Schricker (†)